27. April 2017

Rezension Tote Mädchen lügen nicht





Tote Mädchen lügen nicht
Jay Asher
Cbt Verlag
8,99€
288 Seiten
ISBN -13: 978-3570308431


Taschenbuch
Einzelband





Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon ...










Als ich gehört habe, dass zu diesem Buch eine Serie erscheinen soll, war für mich sofort klar, dass ich zuerst das Buch lesen werde. Dies habe ich dann auch mit der lieben Mara getan.

Den Klappentext finde ich super spannend und auf den Punkt gebracht. Es wird nicht zu viel verraten, doch gerade genau das, um was das Buch sich dreht.
Gut, das Cover ist jetzt vielleicht nicht so meins, es passt nämlich in meinem Bücherregal nirgends wirklich dazu... Aber gut, es kommt ja letztendlich auf die inneren Werte an. Eine der vielen Messages, die dieses Buch uns mitteilen will.


Ich finde die Idee, dass ein Protagonist tot ist, doch trotzdem noch seine Geschichte erzählen kann, sehr interessant. Damit wird das Klischee und die ständige Behauptung, alles hätte ein Happy-End, aus dem Weg geräumt.
Es ist hier weder übernatürlich noch paranormal. Hannah Baker kann erzählen, wie die Menschen ticken, obwohl sie bereits nicht mehr unter den Lebenden weilt.
Auch wenn Clay während des gesamten Buches nur sehr wenig in Aktion tritt und quasi die ganze Zeit durch diese Stadt läuft, ist er dennoch ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte.
Denn ich finde, man bemerkt nicht, dass sich das eigentliche Geschehen in Wahrheit nur dadurch zeigt, dass Clay irgendwo rumläuft. Natürlich hat das auch eine Bedeutung, aber meiner Meinung nach ist diese hier eher verloren gegangen.
Die meiste Zeit wird man nämlich von Hannah Baker in ihr Leben entführt und erlebt sozusagen all die Dinge, die sie durchgemacht hat. Das ist ziemlich spannend, weil ich persönlich manchmal vergessen konnte, dass sie tot ist.


Jay Asher hat für mich nicht direkt einen speziellen Schreibstil. Er lässt die Charaktere aber so sprechen und handeln, dass das Ganze nochmal interessanter wird. Das Buch ist jugendlich geschrieben, aber dennoch sehr anspruchsvoll. Es ist nichts, worüber man 'mal eben kurz drüber' lesen könnte. Das hat alles eine Intensivität, die man nur mitbekommt, wenn man sich tatsächlich mit diesem Buch beschäftigt und anfängt über Worte von sich und anderen nachzudenken.
Es ist nicht leicht geschrieben, ich bin sogar der Meinung, dass diese Geschichte eine Nachricht beinhaltet, die man in seinem Leben lernen sollte.



Ich werde hier nicht alle 13 Leute beurteilen. Ich beschränke mich auf die, welche mich am meisten zum Nachdenken gebracht haben.

Clay Jensen
Meiner Meinung nach ist Clay nicht gerade der stärkste Charakter dieser Geschichte. Er hatte ziemlich viele Chancen, die er allesamt verpasst oder gar erst nicht genutzt hat. Das fand ich ziemlich schade, weil er mir doch recht sympathisch war.
Ihn richtig kennengelernt habe ich erst durch Hannahs Erzählungen, da er, wie bereits erwähnt, ziemlich passiv war. Was ihn aber nicht unwichtig machte. Mir zeigte das nur, dass er sich tatsächlich mit dem Gesagten von Hannah auseinandersetzt und dass er darüber nachdenkt.
Was mir hier besonders gut gefallen hat ist die Tatsache, dass Clay seine Gefühle nicht zu verstecken versucht. Er war von Anfang an ehrlich, offen und ernst. Er hat das alles nicht einfach abgetan, sondern versucht wirklich damit zu arbeiten.
Ich glaube, dass Clay am Ende durch die Kassetten ein Stück weit mit Hannahs Tod abschließen konnte, weil er verstanden hat, wieso das alles seinen Lauf nahm. Er hat womöglich dazu gelernt und kann jetzt früher verstehen, wenn Leute um ihn herum in Gefahr sind.
Deswegen mag ich seinen Charakter. Er lernt aus seiner Vergangenheit und will sie nicht einfach vergessen, weil das für viele einfacher ist, als sich dem zu stellen, was sie belastet.
Clay Jensen ist stark.

Hannah Baker
Tja, die 'quasi' Protagonistin dieses Buches.
Wie cool ich die Idee finde, dass sie ihre Geschichte trotz der Umstände erzählen kann, habe ich bereits erwähnt. Auf so etwas muss man auch erst einmal kommen. Denn wenn jemand tot ist, kann man keine Erklärung mehr erwarten, weil es einfach zu spät ist. Dieses Problem wurde hier umgangen.
Auch wenn sie quasi ihren 'Weg des Sterbens' beschreibt und somit die 13 Personen mit einem sehr ernstem Thema belastet, kann ihr aber nichts vorgeworfen werden. Hätte sie dies nie getan, hätte niemand daraus gelernt, weil sicher keiner über sein eigenes Verhalten nachdenken würde. Hannah hat diesen Menschen also geholfen, es beim nächsten Mal besser zu machen und nicht nur auf sich selbst zu achten.
Im Buch wurde das immer ganz schön beschrieben. Kleine Worten und Taten können ganze Lawinen auslösen. Sie hat nur versucht, das den Leuten klar zu machen.
Was mich teilweise an Hannah immer ein bisschen genervt hat war, dass sie immer von anderen erwartet hat, sie würden auf sie zukommen. Dass andere Menschen Hannahs Leid bemerkten müssten, stimmt ja auch, aber trotzdem hätte sie sich ja auch mal wirklich öffnen können.
Klar, sie war dann bei jemandem, aber ich hatte das Gefühl, dass ihre Entscheidung da schon längst gefallen war. Schade eigentlich.
Ansonsten ist Hannah ein sehr impulsiver und vor allem intensiver Charakter, den man ganz oder gar nicht verstehen kann.
Außerdem versucht sie es immer wieder mit anderen Menschen. Aber anscheinend wurde sie so oft vor den Kopf gestoßen, dass sie bemerkt hat, das Leben ist nichts für sie.

Courtney Crimsen
Zu ihr möchte ich eigentlich nur kurz was sagen, da mir ihr Charakter besonders negativ aufgefallen ist. Gott, wie ich Menschen wie sie verabscheue.
Courtney nutzt Menschen aus. Damit komme ich nicht klar. Entweder man mag jemanden und ist mit ihm befreundet, oder man lässt es. Punkt.
Man benutzt keine Menschen, um seinen Status und seine Beliebtheit auf Vordermann zu bringen. Freunde sind dauerhaft und nicht für alle zwei Wochen zur Verfügung. Schrecklich.

Mr. Porter
Nächste Person, bei der mir echt übel wird.
Sie sind da, damit man mit Ihnen reden kann! Und nicht damit man alles mit einem 'finde dich damit ab' abstempelt. Sie sind dazu da, den Jugendlichen im Vertrauten zu helfen und Lösungen zu finden. Dinge auf sich beruhen zu lassen ist keine Lösung, wenn davor jemand darüber spricht, sein Leben zu beenden.
Aufmerksam ist er jedenfalls nicht.



Das Buch hat mich ganz ehrlich sprachlos gemacht. Ich konnte danach auch gar nicht beschreiben, wie ich es fand. Kann ich immer noch nicht. Alles was ich sagen kann ist, dass es sehr intensiv war und viele ernste Themen angesprochen wurden. Das zeigt einem, wie wichtig es ist, nicht immer nur auf sich selbst zu achten. Man sollte vor allem darauf achten, was man sagt und wie man mit anderen Leuten umgeht. Dass man die Fehler nicht bei den anderen suchen soll, sondern auch mal schauen kann, ob man selbst in diesem Moment nicht falsch gehandelt hat. Denn was wir meistens nicht bedenken sind die Auswirkungen und Folgen, die man durch einen dahergesagten Satz auslöst. Viele Dinge fangen klein an, das sammelt sich aber alles an, bis irgendwann alles zusammenbricht. Und dann passiert so etwas wie in diesem Buch. Ihr müsst es einfach lesen um gewisse Dinge zu verstehen. Mir persönlich ist durch das Buch vieles klar geworden. Viele kleine, aber wichtige Dinge, sehe ich jetzt ernster. Weil man einfach darauf achten sollte, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht, was man glaubt und ob man sich nicht einfach ein eigenes Meinungsbild machen sollte, anstatt Gerüchten zu glauben. Für mich war das wirklich ein Buch mit einer Moral, Message what ever. Ihr solltet es wirklich lesen.